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Interview: Vom Bretagne-Urlaub in die TT-Akademie

Maxim Walz hat sein Spiel in Hennebont sehr verbessern können (©Hennebont Ping Center)

05.02.2025 - Maxim Walz ist 19 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Freiburg - und lebt seit drei Jahren in einem Tischtennisinternat im französischen Hennebont. Im Interview erzählt der ehemalige Spieler der FT 1844 Freiburg, der aktuell einen Q-TTR-Wert von 1757 hat, wie es zu der ungewöhnlichen Idee kam, wie sein Leben in der Bretagne aussieht und wie ihm der Alltag im „Hennebont Ping Center“, die französische Schule und das Zusammenleben mit Menschen verschiedener Kulturen gefällt.

myTischtennis.deWie kommt es, dass du in Hennebont lebst und Tischtennis spielst - und nicht im Raum Freiburg, wo du ursprünglich herkommst?

Maxim Walz: Ich bin vor drei Jahren nach Hennebont gekommen. Meine Familie hat Urlaub in der Bretagne gemacht und ich wollte gerne währenddessen ein bisschen trainieren. Also hat meine Mutter einen Verein gesucht, der dort Training anbietet, und ist auf GV Hennebont gestoßen, die einen Lehrgang anboten. Da habe ich mitgemacht - ganz ohne Hintergedanken, dass ich dort längerfristig bleiben könnte. Es kamen Leute vom französischen Verband vorbei, die den Lehrgang beobachtet haben. Am Ende wurde ich eingeladen, ein ganzes Jahr in Hennebont zu leben und zu spielen. Ich habe das Angebot angenommen, weil es mir dort sehr gut gefallen hat.

myTischtennis.deDas bedeutet, dass du auch deine Familie und Freunde für längere Zeit nicht sehen kannst. Was hat für dich den Ausschlag gegeben, dich auf dieses Abenteuer einzulassen?

Maxim Walz: Ich wollte mehr Tischtennis spielen und habe da in Hennebont gute Möglichkeiten gesehen. In Freiburg gibt es nicht so viele Trainingsoptionen. Hier in Frankreich habe ich schon mit Spielern aus der Pro A und der 1. Bundesliga trainiert, sogar mit Lim Jonghoon habe ich mal gespielt, wobei man sagen muss, dass solche Spiele die Ausnahme und nicht die Regel sind. Aber das war schon ein Erlebnis. Da war es auch okay für mich, meine Freunde und Familie nur in den Ferien zu sehen.

myTischtennis.deWie sind dann aus einem Jahr drei Jahre geworden?

Maxim Walz: Im ersten Jahr habe ich zweimal pro Tag trainiert und bin zur Schule gegangen. Dann habe ich mich entschieden, auch mein Abitur in Hennebont zu machen. Seitdem steht die Schule mehr im Fokus und ich trainiere noch einmal täglich. 

myTischtennis.deWie kann man sich dein Leben in Hennebont vorstellen?

Maxim Walz: Ich wohne direkt neben dem Ping Center in einem Doppelzimmer mit einem Jungen von der Elfenbeinküste. Er ist ein sehr guter Spieler, der sogar einen Weltranglistenplatz hat. Morgens fahren wir alle mit dem Bus fünf Minuten zur Schule und haben nach dem Unterricht zwei bis zweieinhalb Stunden Training im Center. Abends machen wir Hausaufgaben.

myTischtennis.deUnd habt ihr auch Spiele?

Maxim Walz: Viermal im Jahr gibt es eine Art Ranglistenturnier in Frankreich, zu dem der Club mit den Jugendlichen fährt und sonst gibt es die normalen Ligaspiele, wie in Deutschland auch. Man kann auch zu internationalen Turnieren fahren, die muss man sich aber selbst organisieren.

myTischtennis.deWas gefällt dir an deinem Leben in Hennebont?

Maxim Walz: Die Schule gefällt mir hier sehr: nette Leute und Lehrer sowie die Möglichkeit, ein sehr gutes Abitur zu machen. Ich gehe hier sehr gerne zur Schule, das war in Deutschland nicht der Fall. Zu Hause habe ich mich in der Schule oft gelangweilt, hier wartete direkt eine neue Herausforderung auf mich. Denn ich bin ohne Französischkenntnisse hergekommen und hatte somit alleine schon wegen der Sprache immer etwas zu lernen. Außerdem empfinde ich den Umgang zwischen Lehrern und Schülern respektvoller als in Deutschland. Ich denke, ich werde hier ein gutes Abitur schaffen.

myTischtennis.deWie sehen deine Pläne nach dem Abitur aus? Möchtest du in Frankreich bleiben oder kommst du zurück nach Deutschland?

Maxim Walz: Ich werde zurück nach Deutschland gehen. Die drei Jahre hier waren sehr schön, aber jetzt ist es Zeit für was Neues. Nächstes Jahr werde ich einen Bundesfreiwilligendienst am Stützpunkt Freiburg machen und danach Sport auf Lehramt studieren. Das passt alles sehr gut - denn so kann ich dann ein Jahr Training geben, selbst trainieren und mich auf meine Aufnahmeprüfung an der Uni vorbereiten. 

myTischtennis.deAlso ein Tischtennisprofi wirst du nicht?

Maxim Walz: Um professionell Tischtennis zu spielen, dazu wird es bei mir nicht reichen. Aber ich möchte gerne weiter in höheren Ligen spielen. In Frankreich habe ich es bis in die vierthöchste Liga geschafft und nun habe ich ein Angebot von einem deutschen Verein, in der Regionalliga zu spielen. Vielleicht schaffe ich es dann irgendwann sogar in die dritte Bundesliga.

myTischtennis.deInwiefern, würdest du sagen, hast du dich in Hennebont weiterentwickelt?

Maxim Walz: Spielerisch habe ich mich durch das konstante Training sehr verbessert. Dadurch, dass man mit so vielen verschiedenen Leuten trainiert, kann man sich auch sehr gut auf unterschiedliche Gegner vorbereiten. Und ansonsten kann ich nun zwei Fremdsprachen - Französisch und Englisch - fließend sprechen, ich habe gelernt, wie man in einer Gruppe mit Leuten ganz unterschiedlicher Kulturen lebt, und ich habe viele Freundschaften geschlossen, mit denen ich noch immer in Kontakt bin.

myTischtennis.deWas würdest du jemandem raten, der überlegt, wie du im Ping Center zu leben?

Maxim Walz: Ich würde empfehlen, auf jeden Fall erst einmal einen Lehrgang in den Ferien mitzumachen. Einfach, damit man das Internat, die Halle und die Trainer einmal kennenlernt und für sich entscheiden kann, ob das das Richtige für einen ist.

Weitere Infos zum Konzept des Hennebont Ping Centers finden Sie in diesem Artikel oder auf der Webseite der Akademie.

(JS)

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